Nürtinger Zeitung, Wendlinger Zeitung | von Andreas Warausch |

Das Linsenhöfer Domizil der Feuerwehr soll für rund eine Million Euro um- und ausgebaut werden – Streit im Gemeinderat

Die Räumlichkeiten für die Feuerwehr in Linsenhofen sollen umgebaut und erweitert werden. Auch Verbesserungen soll es geben, von denen die gesamte Otto-Maisch-Halle profitiert. Das beschloss der Gemeinderat mehrheitlich in seiner Sitzung am Dienstag im Festsaal des Erich-Scherer-Zentrums.

FRICKENHAUSEN. Geschätzt werden die Kosten auf knapp unter einer Million Euro. Streit entbrannte im Zuge der Diskussion vor allem zwischen SPD-Fraktionschef Jürgen Haug und Bürgermeister Simon Blessing.

Bereits in der Mai-Sitzung hatte es eine hitzige Diskussion gegeben. Damals wurde dann letztlich Architekt (und Freie-Wähler-Gemeinderat) Marc Stöckle mit einer Kostenschätzung und der Gegenüberstellung von Umbau und Erweiterung mit einem reinen Neubau beauftragt.

Nun brachte Haug erneut auf die Palme, dass Vertreter seiner Fraktion damals als Aufrührer bezeichnet worden seien, da SPD-Gemeinderat (und Architekt) Peter Kowallek die Kosten gleich auf rund eine Million Euro geschätzt und man bemängelt habe, dass es kein schlüssiges Konzept für alle drei Feuerwehrstandorte gäbe. Die von ihm geforderte Entschuldigung kam aber von niemandem.

Zuerst aber hatten Stöckle und Ortsbaumeister Vitalij Gert die Historie der Planung und die Planung mit Kostenschätzung selbst sachlich dargestellt. Ausgangspunkt waren Überlegungen der Feuerwehr und ein zeichnerischer Entwurf im Jahr 2017 gewesen. Damals schätzte man die Kosten auf rund 180 000 Euro. Später entschied sich der Gemeinderat einstimmig dafür, die Feuerwehr in allen drei Ortsteilen zu erhalten. Klar war, dass da Geld für die Ertüchtigung der Standorte würde fließen müssen. In die Überlegungen und Planungen flossen dann auch noch die Ergebnisse der externen Untersuchungen zur Feuerwehrbedarfsplanung ein.

Stöckle stellte die Grundzüge des Aus- und Umbaus vor, der unter anderem einen zweigeschossigen Anbau mit Flachdach vorsieht. Die Fahrzeughalle wird vergrößert, mit neuen Toren, Entlüftung und Lagerflächen. Umkleide- und Sozialbereiche werden ausgebaut, nach Geschlechtern getrennte Bereiche werden geschaffen. Ein neuer Mehrzweckraum im Erdgeschoss soll nicht nur von der Feuerwehr, sondern auch von anderen Vereinen genützt werden können.

Die Kosten schätzt Stöckle auf 974 000 Euro. Um 30 Prozent könnte die Schätzung freilich von den tatsächlichen Kosten abweichen – nach oben und unten. Denn im derzeitigen Stand der Planung arbeite man noch nicht mit Fachplanern. Ein kompletter Neubau hingegen würde laut Stöckles Schätzung rund 2,5 Millionen Euro kosten. Dabei schlügen alleine die Kosten für den Erwerb eines etwaigen und momentan fiktiven Grundstücks mit 2500 Quadratmetern mit über einer Million Euro zu Buche. Dem hielt Kowallek entgegen, dass ein halb so großes Grundstück ausreichend sei. Dafür könne bei einem Neubau die Parkplatzsituation besser gelöst werden. Überhaupt sei ein Umbau zwar eine Verbesserung, aber keine optimale Lösung.

Bürgermeister Blessing räumte ein, dass eine Kostensteigerung von 180 000 Euro vor drei Jahren auf nun rund eine Million Euro ärgerlich sei. Allerdings sei dies zu erklären: Zum einen habe man 2017 nicht nach Feuerwehr-DIN-Norm geplant. Das sei nun der Fall. Außerdem gibt es Verbesserungen wie die zwei neuen barrierefreien Sanitärbereiche, von denen die Halle und nicht die Feuerwehr profitiere. Es gebe Synergieeffekte für Wehr und Halle.

Christoph Wohlfahrt von den Freien Wählern sagte, dass ihm eine Stärkung des Hauptstandorts bei nur absolut notwendigen Ertüchtigungen der peripheren Standorte lieber wäre. Die vorliegende Lösung sei da ein starkes Signal an die Wehr und ein Zeichen dafür, dass man auf die einzelnen Abteilungen setze.

Jürgen Haug hingegen lobte erst einmal den Architekten für die nun vorgelegte Arbeit. Dann aber setzte er zur Kritik an. Zudem verwies er auf all die teuren Vorhaben der Gemeinde, zu denen er auch den Ausbau der Gemeinschaftsschule und der Frickenhäuser Ortsmitte zählte. Geld flösse auch in die Ortsmitte in Tischardt – nun solle man auch noch die Baugesuchsplanung für das womöglich bis zu 1,4 Millionen Euro teure Vorhaben in Linsenhofen absegnen. Bei einem solchen Vorgehen wäre der Gemeinderat bei früheren Bürgermeistern aufgestanden und gegangen, meinte Haug. Einfach so ins Blaue könne man nichts beschließen. Man müsse sagen, wo das Geld dafür herkommt – dazu solle es eine Klausurtagung nach den Sommerferien geben. Haug stellte den entsprechenden Beschlussantrag.

Der Bürgermeister reagierte harsch auf Haugs Vorwürfe. „Das ist eine paradoxe Diskussion“, kommentierte er und erinnerte daran, dass der Gemeinderat das verteuernde Bauen nach DIN-Norm beschlossen habe. Zudem habe schon damals Feuerwehrkommandant Bernd Streicher darauf hingewiesen, dass eine Beibehaltung von drei Feuerwehrstandorten kostenintensiv sei.

Außerdem gebe es doch so eine Verbesserung für die Halle. „Sollen wir jetzt wieder von vorne beginnen?“, fragte der Schultes da rhetorisch. Zumal auch die anderen Vorhaben wie der Schulausbau vom Rat gewünscht worden seien und auch auf den Ergebnissen des bürgerbeteiligenden Prozesses des integrierten Gemeindeentwicklungskonzepts fußten. Solle man nun, fragte der Bürgermeister, angesichts der coronabedingten Mittelverknappung mit dem Planen aufhören, wo doch auch die Gemeinden unter dem staatlichen Rettungsschirm seien?

Bei der Abstimmung dann wurde Haugs Antrag auf eine vorgeschaltete Finanzklausur knapp abgelehnt. Zehn Räte von Freien Wählern und CDU stimmten dagegen, die sechs SPD-Räte plus Jochen Jansen von der FW dafür. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung, die Baugesuchsplanung für den Umbau zu erstellen und Stöckles Architekturbüro und die nötigen Fachplaner dafür zu beauftragen, wurde mit zwölf Ja-Stimmen bei vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen schlussendlich abgesegnet.

Foto: Holzwarth